Mitarbeiterstimmen

 

Elisabeth Aschenbrenner, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I
„Als ich am 02.11.1991 am UKR angefangen habe, stand der Forschungsbau H1 noch nicht, in dem ich seit August 1992 arbeite. Wir besetzten daher Behandlungszimmer oder Patientenzimmer und richteten uns improvisierte „Forschungslabore“ ein. Mit Regalgestänge aus dem Baumarkt und Küchenplatten bauten wir uns Forschungstische. In der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I waren wir damals ca. 15 bis 20 Mitarbeiter. Der Innenausbau des Klinikums war noch nicht abgeschlossen. Man musste über Kabelstränge und Leitungen steigen, die noch in der Decke versteckt werden mussten. Möbel waren noch keine da. Ich habe zwei Klappstühle für mich und meine Kollegin von zu Hause mitgenommen, und mein damaliger Chef, Prof. Dr. Groß, stellte einen alten Küchentisch als Bürotisch zur Verfügung. Wenn wir uns zur täglichen Besprechung trafen, nahm jeder seinen Stuhl mit in den Besprechungsraum. Das UKR und besonders die Innere Medizin I liegen mir sehr am Herzen, da ich – wenn auch nur als kleines Rädchen – am Aufbau mitwirken konnte. Und das, was wir aufgebaut haben, finde ich, ist sehr gelungen.“

 


Mein UKR: Professor Dr. Thomas BeinProfessor Dr. Thomas Bein, Leiter Operative Intensivmedizin, Klinik für Anästhesiologie
„Mein erster Arbeitstag im UKR war der 2. Januar 1992. Wir trafen uns mit Prof. Taeger, dem damaligen Direktor der Klinik für Anästhesiologie, in einem unfertigen Raum (Estrich, Kisten als Sitzgelegenheiten, einfache Stehlampen) – die Stimmung war aufgeregt und voller „Pioniergeist“. Die Intensivstation, um die ich mich kümmern sollte, war noch im Rohbau. In den ersten Wochen stellten wir ein intensivmedizinisches Team aus hochmotivierten Ärzten und Pflegenden aus unterschiedlichsten Kliniken zusammen und richteten die Intensivstation ein. Wir hatten viele Gespräche mit den Handwerkern und stundenlange Besprechungen über jedes Detail. Nach etlichen Probeläufen kam dann im Juni 1992 der erste Patient – es war eine spannende und unvergessliche Zeit. Eine Anekdote, die mir in Erinnerung geblieben ist, ereignete sich im Rahmen der Verabschiedung von Prof. Taeger im Jahr 2008. Bei dem Festakt war auch eine Redakteurin der Mittelbayerischen Zeitung zugegen, die sich schon jenseits der Pensionsgrenze befand und als freie Mitarbeiterin weiterarbeitete. Nach mehreren Festrednern kam auch der zu verabschiedende Lehrstuhlinhaber zu Wort, der in einer launigen Rede unter anderem verkündete, dass er sich nun stärker seinem geliebten Hobby, der Zucht von Flusskrebsen, zuwenden könne. Am nächsten Tag war in der Mittelbayerischen zu lesen, dass Prof. Taeger sich nun im Ruhestand explizit der Krebsforschung widmen wolle, was den höchsten Respekt abverlange. Dies führte bei uns allen zu großer Heiterkeit. Das UKR stellt für mich eine ideale Synthese aus Forschung/Wissenschaft und menschenorientierter Patientenversorgung dar. Ich habe über all die Jahre, die von fordernder und teils sehr anstrengender Arbeit gezeichnet waren, die Verbindung von kreativer Wissenschaft mit dem Engagement für schwerkranke Patienten immer sehr geschätzt. Das Kennenlernen vieler interessanter Kolleginnen und Kollegen sowie der „Anfängergeist“ der ersten Jahre bildeten eine spezielle Arbeitsatmosphäre. Natürlich kann sich diese Pionierstimmung nicht über 25 Jahre halten, aber für mich ist die Arbeit am UKR immer noch stimulierend und positiv (was vermutlich nicht jeder nach 25 Jahren an einer Arbeitsstelle sagen würde…).“

 


Mein UKR: Sonja PlodeckSonja Plodeck, Chefsekretariat Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie
„Ich war 18 Jahre an der Fakultät für Naturwissenschaften tätig, bis ich im Frühjahr 1991 einen Anruf von Prof. Brawanski erhielt. Er fragte mich, ob mir sein Name etwas sagen würde. Meine Antwort: „Sie dürften der sein, der als Chef der Neurochirurgie ans UKR berufen ist.“ Wir verabredeten uns an Fronleichnam in einem Bistro. Das Gespräch verlief sehr angenehm. Wir hatten beide dieselben Ansichten, was den Aufbau einer Klinik betraf. Als wir uns verabschiedeten, wusste ich, dass ich meinen Arbeitsplatz wechseln würde. Zwei Wochen später wurden wir uns dann auch sehr schnell einig. Am 23. Dezember 1991 besorgte ich im Materiallager der Universität eine „Büro-Erstausstattung“ für die neuen Mitarbeiter der Neurochirurgie. Am 7. Januar 1992 trafen wir uns dann alle zum ersten Mal. Es war eine nette Truppe, die mein Chef aus Würzburg mitbrachte – ich war der einzige „Neuling“. Es gab keine Berührungsängste, wir harmonierten von Anfang an, es war wie eine kleine Familie. Die Klinik war aber eigentlich noch eine Baustelle. Wir bohrten selbst Löcher und verlegten Kabel, unsere Möbel waren nicht wirklich zweckmäßig – schön, aber unpraktisch. Dennoch war es eine schöne Zeit, damals kannte jeder jeden. Schließlich kam die erste Patientin, die mit einem Blumenstrauß begrüßt wurde. Dann ging es Schlag auf Schlag bis heute, ich möchte keinen Tag missen. Ein nettes Ereignis, das mir in Erinnerung blieb, erlebte ich mit einer Patientin. Sie hatte einen Hirntumor, und für die Operation mussten ihr die Haare abrasiert werden. Sie fragte mich, ob ich nicht veranlassen könne, wenn sie das schon über sich ergehen lassen müsse, dass man dann gleich ihre Haut ein bisschen spanne, um ihre Falten zu glätten.
Das UKR ist für mich ein Teil meines Lebens, ein Viertel Jahrhundert. Ich identifiziere mich damit und verteidige es, wann immer es erforderlich ist. Wenn ich Sätze höre, wie „Das ist nicht mein Aufgabenbereich“ oder „Dafür bin ich nicht zuständig“, denke ich, hätte ich jemals so gedacht, würde es nicht so laufen, wie es läuft. Das UKR ist für mich der Arbeitgeber, die Neurochirurgie meine zweite Heimat, die Mitarbeiter ein Teil der Familie.“

 


Mein UKR: Ulla BuschUlla Busch, Gesichtschirurgie, Pflegerische Leitung Station 17 Nephrologie

„Ich begann im Oktober 1992 auf der Station 44 im Bereich Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, ein mir damals völlig fremdes Fachgebiet. Das Stationsteam war vor Inbetriebnahme des UKR im Bezirksklinikum untergebracht. Ich wurde mit offenen Armen empfangen, jeder nahm sich Zeit und erklärte mir alles ganz genau. Das ist bestimmt ein Grund, warum ich noch am UKR tätig bin und nicht, wie ursprünglich geplant, nach einem Jahr das Haus wieder verlassen habe. Einer meiner persönlichen Höhepunkte in meiner Zeit am UKR war die Inbetriebnahme „unserer“ Station 17. Die Vorbereitungszeit war wahnsinnig arbeitsintensiv. Lange im Vorfeld fertigten wir die Schranklisten an und schrieben Bestellungen für Büromaterial, Abwurfwagen, Apotheke und Grundausstattung. Für die Kollegen war der Umzug so als würde man einen Patienten einfach in ein anderes Zimmer bringen. Aber für mich war diese Inbetriebnahme eine sehr intensive Erfahrung.
Das UKR machen für mich das Miteinander sowie die sehr gute Unterstützung von allen Seiten aus: Die Anerkennung, welche jedem entgegengebracht wird, die vielen Unterstützungsdienste für den Pflegedienst und noch vieles mehr – nicht zuletzt die geknüpften Kontakte und die dadurch entstandenen echten Freundschaften, die bei manchen weit über das berufliche Umfeld hinausgehen.“

 


Mein UKR: Daniela BiermeierDaniela Biermeier, Bereichs-MTA Immunologie / Klinische Studien, Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin
„Im Januar 1992 habe ich als MTA im Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin angefangen, wo erst einmal Aufbauarbeit geleistet werden musste. Das „Labor“ bestand aus einzelnen Laborschränken und -tischen. Die Geräte wurden erst nach und nach geliefert. Vieles war Neuland für uns, für mich zum Beispiel die Autoimmundiagnostik, für die ich von
MTA-Seite als zuständig erklärt wurde. In kürzester Zeit musste ich mir das erforderliche Wissen aneignen und dann auch sofort anwenden. Dies machte uns aber nichts aus. Es herrschte eine regelrechte Aufbruchstimmung und man konnte jeden Tag etwas Neues lernen. Bei Problemen half man sich gegenseitig, und wir wurden schnell zu einem eingeschworenen Team. Am spannendsten war es, als im März 1992 die ersten Blutproben im Labor eintrafen. In den vergangenen 25 Jahren hat unser Institut eine rasante Entwicklung erfahren. Die Mitarbeiterzahl liegt inzwischen bei über 100 und das Probenaufkommen bei bis zu 3.000 Stück pro Tag. Unsere Ziele sind aber noch die gleichen wie zur Anfangszeit: Als Labor mit universitärem Charakter wollen wir zu einer bestmöglichen Patientenversorgung beitragen, indem wir diagnostische Analyseverfahren anbieten, die dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechen. Dazu gehören eine moderne Geräteausstattung und unsere konstante fachliche Weiterbildung. Für mich war es spannend mitzuerleben, wie sich das UKR zu einem großen modernen Klinikum der Maximalversorgung entwickelt hat, das nicht nur für die Mitarbeiter interessante Arbeitsplätze bietet, sondern auch ein Ort ist, an dem schwerstkranken Menschen geholfen werden kann. Persönlich haben sich für mich auch Freundschaften entwickelt, die weit über eine berufliche Zusammenarbeit hinausgehen.“

 


Mein UKR: Kirstin PollingerKirstin Pollinger, Forschungslabor, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I

„Ich habe im Januar 1994 in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I als Technische Assistentin im Forschungslabor angefangen. In meiner Anfangszeit haben auch einige der heutigen Professoren ihre erste Zeit in der Forschung verbracht, so dass diese damals vieles bei uns gelernt haben. Darauf bin ich heute auch ein bisschen stolz. Von Beginn an arbeiteten wir sehr selbständig und durften viele neue Methoden ausprobieren und etablieren – das empfand ich immer schon als ein großes Plus. Die Forschung ist sehr kreativ, was ganz meinem Element entspricht. Seit 25 Jahren arbeiten wir im Forschungsbau H1, der damals nur ein Provisorium sein sollte. Auf den schönen UKR-Ansichtspostkarten im Kiosk ist er nicht abgebildet. „Das graue Gebäude, welches aussieht wie ein Heizungsgebäude, auf dem Weg zur Notaufnahme, ist der Forschungsbau H1“, sagen wir immer, wenn Besucher in unsere Forschungsabteilung kommen wollen. Eine Kastenförderanlage gibt es in unserem Gebäude nicht, so dass wir unsere Proben bei Schnee, Eis und Sturm aus dem Klinikum holen müssen. Unser „Provisorium“ ist nicht so gut isoliert, weshalb es im Winter richtig kalt werden kann, dafür aber im Sommer Testansätze bei 40°C Raumtemperatur inkubiert werden müssen. Bei Hubschrauberüberflügen klirren die Reagenzgläser im Regal. Dennoch konnten und können wir fleißig mit modernen Geräten in der Grundlagen- und der klinischen Forschung unsere Beiträge leisten. Ich empfehle das UKR potentiellen Patienten gerne weiter, wenn deren Krankengeschichte kompliziert wird. Wir haben hier sehr viele Spezialisten, die unter anderem von dem sehr großen Entdeckerdrang der Forschung beeinflusst wurden.“

 


Jutta Späth, Assistentin des Vorstands
„Ich kam als Herrn Dr. Brockards erste Mitarbeiterin. Eine unserer Hauptaufgaben zur Anfangszeit war es, den Personalstab einzustellen. Dafür sortierten wir händisch Tausende von Bewerbungen, die sich hüfthoch in unseren Büros stapelten. Des Weiteren mussten wir uns um die Büroausstattung kümmern. Als wir im Herbst 1991 ins Klinikum zogen, waren die Büromöbel noch verschweißt auf einer Palette. Jeder bekam einen kleinen halbhohen Schrank, einen grauen Schreibtisch und einen Stuhl. Sonst war nichts da. Weder eine Schreibmaschine noch Büromaterial. Jeden Stift mussten wir einzeln in einer Sammelstelle in der Universität anfordern. Ein absolutes Highlight der letzten 25 Jahre war für mich der Papstbesuch im September 2006 – zudem mein 40. Geburtstag. Das UKR lag im Sperrbezirk, der in einem Umkreis von etwa drei Kilometern um den Pilgerort errichtet worden war. Das Polizeiaufgebot war gigantisch. Die Autobahn war für 24 Stunden gesperrt, die Notaufnahme konnte nicht angefahren werden. Für zwei Tage war das Klinikum im Grunde nicht erreichbar. Für den Fall, dass etwas passiert, waren während dieser Zeit fünf OPs mit voller Mannschaft ständig in Bereitschaft. Am Tag des Papstbesuchs war um vier Uhr Früh Dienstbeginn. Wir durften nicht mit dem Auto zum UKR fahren, deswegen sind wir alle zu Fuß gekommen oder mussten von Vornherein im Klinikum übernachten. Ich bin um halb drei Uhr in der Nacht von daheim aus losgelaufen. Vor dem Klinikum musste ich mich vor der Polizei als UKR-Mitarbeiterin ausweisen. Weil ich meine Wanderstiefel anhatte, war das wohl nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Ich habe den Papstbesuch dann zehn Stunden lang am Fernseher verfolgt und notiert, ob und welche Unfälle passiert sind – zum einen zur Dokumentation und zum anderen zur Vorwarnung der Notaufnahme. Passiert ist dann letzten Endes überhaupt nichts. Für viele Mitarbeiter war es wahrscheinlich der langweiligste Tag ihres Arbeitslebens.“

 


Mein UKR: Helene HüblHelene Hübl, Direktionsassistentin und wissenschaftliche Koordination, Klinik und Poliklinik für Chirurgie, Mitglied des Personalrats
„Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich meine Bewerbung im Herbst 1991 persönlich bei Herrn Dr. Brockard, dem ersten Verwaltungsdirektor, abgegeben habe. Er war damals noch in einem kleinen Büro an der Universität untergebracht und saß inmitten von Stapeln mit Bewerbungsunterlagen. Tatsächlich wurde ich einige Zeit später angerufen und zu einem Vorstellungsgespräch zu Prof. Hohenberger in die Klinik und Poliklinik für Chirurgie eingeladen, wo ich auch heute noch tätig bin. Bei meinem ersten Gespräch wurde mir das Klinikum mit seinen vielen Baustellen wie beispielsweise dem chirurgischen OP gezeigt. Als ich dann im Februar 1992 meinen Dienst antrat, ging es erst einmal darum, das Klinikum funktionsfähig zu machen und eine Infrastruktur zu schaffen. Es gab zwar eine Telefonanlage, aber kein Verzeichnis mit Telefonnummern, da die Logistik dafür erst erstellt wurde. Was heute unvorstellbar wäre: es gab keine Computer und Handys! Anfang 1992 gab es zahllose Bausitzungen mit Vertretern des Bauamts sowie Inbetriebnahmebesprechungen und Kommissionen, bei denen der Stand der Beschaffung der sogenannten Ersteinrichtung und der erforderlichen medizinischen Geräte und Instrumentarien mit Mitarbeitern des Einkaufs, Vertretern der Ersteinrichtungsfirmen und künftigen Nutzern besprochen wurde. Es ging täglich um folgende Fragen: Was wird wann geliefert? Was fehlt noch? Wen müssen wir noch einstellen? Wann können wir in Betrieb gehen? – Echte Pionierstimmung ohne Fragen nach Überstunden und Zeiterfassung!“